Lifestyle
17.11.25
Zuletzt upgedagtet:
19.11.2025

Burnout in der Pflege: Wie du Warnsignale erkennst und vorbeugende Massnahmen triffst

Pflege ist ein Beruf mit Sinn, Nähe und Verantwortung. Gleichzeitig zählt er zu den emotional und körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten. Viele Pflegefachpersonen geben über lange Zeit sehr viel von sich, häufig mehr, als auf Dauer gesund ist. Deshalb kommt Burnout in der Pflege deutlich gehäuft vor, im Vergleich zu vielen anderen Berufen.

Burnout ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Zeichen dafür, dass zu viel auf deinen Schultern liegt, oft über viele Monate oder sogar Jahre hinweg. Pflegearbeit fordert Tiefe, Präsenz und Verantwortung, und kein Mensch kann das dauerhaft tragen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Dieser Artikel zeigt dir, welche Symptome du ernst nehmen solltest, was du tun kannst, wenn du erste Anzeichen spürst und wie du Burnout langfristig vorbeugen kannst.

Warum Burnout in der Pflege so häufig vorkommt

Burnout entsteht nie aus einem einzigen Grund. Besonders in der Pflege kommen viele Belastungen gleichzeitig zusammen. Oft sind es nicht die einzelnen Situationen, die erschöpfen, sondern die Summe aus Verantwortung, emotionaler Nähe und dauerhaftem Druck. Viele in der Pflege setzen sich so stark für andere ein, dass sie die eigenen Grenzen erst zu spät wahrnehmen. Bevor sich Erschöpfung zeigt, wirken im Hintergrund meist auch noch strukturelle Faktoren, die eine stabile Erholung erschweren:

• hoher Zeitdruck durch knappe Besetzung
• wechselnde Dienste ohne ausreichende Regeneration
• emotionale Belastung durch Patientenschicksale
• konstante Verantwortung ohne klare Entlastung
• fehlende Pausen oder spontane Dienständerungen
• Teamkonflikte oder mangelnde Unterstützung
• strukturelle Unterbesetzung über längere Zeit
• Arbeitsbereiche, die nicht zur eigenen Persönlichkeit passen

Einer der wichtigsten Punkte: Burnout ist in der Pflege häufig auch ein Systemproblem. Gute Rahmenbedingungen schützen. Schlechte Bedingungen lassen selbst sehr erfahrene und engagierte Pflegefachpersonen ausbrennen.

Warum viele Pflegefachpersonen nicht darüber sprechen

Viele tragen ihre Belastung still mit sich herum. Gründe dafür sind häufig:

• das Gefühl, stark sein zu müssen
• der Gedanke, andere im Team nicht belasten zu wollen
• Scham oder Angst, als „nicht belastbar“ wahrgenommen zu werden
• der Wunsch, den hohen Erwartungen gerecht zu bleiben
• eine Kultur, in der wenig über emotionale Belastung gesprochen wird

Doch gerade dieses Schweigen verstärkt die Erschöpfung. Burnout entsteht schneller, wenn man alles alleine trägt.

Typische Symptome: Wann du aufmerksam werden solltest

Burnout entsteht selten von einem Tag auf den anderen. Es entwickelt sich leise, oft über einen langen Zeitraum, während du weiter versuchst, allen Anforderungen gerecht zu werden. Viele bemerken es erst, wenn sie schon lange über ihre Grenzen gehen. Diese Signale solltest du daher ernst nehmen:

Körperliche Symptome

• anhaltende Müdigkeit, die tiefer geht als gewöhnliche Erschöpfung. Eine Müdigkeit, die auch nach einem freien Wochenende bleibt.
• Verspannungen, Kopfschmerzen
• Schlafprobleme
• häufige Infekte

Emotionale Symptome

• innere Leere
• das Gefühl, „nichts mehr geben zu können“
• Reizbarkeit, Überforderung
• Rückzug aus sozialen Kontakten

Veränderungen im Verhalten

• weniger Geduld bei Patientinnen und Patienten
• das Gefühl, nur noch zu funktionieren
• Verlust an Freude an Tätigkeiten, die früher leichtfielen

Wenn du dich in mehreren dieser Punkte wiedererkennst, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Hinweis, dass dein Körper und dein Geist Unterstützung brauchen.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten du hast

Burnout verschwindet selten von allein. Es braucht Entlastung, Verständnis und manchmal auch professionelle Begleitung. Je früher du dir Unterstützung holst, desto leichter lässt sich die Situation verändern und desto schneller kehrt Stabilität zurück.

Es ist wichtig zu wissen: Du musst nicht warten, bis es „wirklich schlimm“ ist.
Schon die ersten Anzeichen sollen ein Grund sein, dir Hilfe zu holen.

1. Gespräch mit der Teamleitung oder einer vertrauten Kollegin
Oft hilft schon ein offener Austausch über Belastungen, Bedürfnisse oder mögliche Anpassungen im Dienstplan. Manchmal lassen sich Aufgaben umverteilen, Prioritäten klären oder Strukturen anpassen.

2. Pflegeinterne Beratungsstellen
Viele Institutionen haben interne Angebote wie Supervision, Coaching, Peer-Support oder psychosoziale Beratung. Diese Angebote sind vertraulich und speziell für Belastungssituationen gedacht.

3. Ärztliche oder therapeutische Unterstützung
Hausärzte, Psychologinnen, psychiatrische Dienste oder Beratungsstellen sind wichtige Anlaufpunkte, wenn die Erschöpfung tiefer geht. Schon wenige Gespräche können entlasten und neue Perspektiven geben.

4. Unterstützung im privaten Umfeld
Freundinnen, Partner, Familie, Menschen, die dich gut kennen, können viel tragen, wenn du dich öffnest. Ein ehrliches „Ich brauche gerade Unterstützung“ kann entlastender sein, als viele denken.

Wie du Burnout vorbeugen kannst

Da Burnout über einen längeren Zeitraum entsteht, ist es umso wertvoller, früh auf sich zu achten und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Diese vier Bereiche können besonders dabei helfen, stabil zu bleiben und langfristig gesund zu arbeiten.

1. Einen Arbeitsbereich wählen, der zu dir passt

Wie belastbar du im Alltag bleibst, hängt stark davon ab, ob dein Bereich zu deiner Energie, deinem Tempo und deiner Persönlichkeit passt. Manche Menschen kommen in ruhigen, strukturierten Bereichen zur Ruhe, andere fühlen sich in dynamischen Umgebungen wohler.

Wenn der Bereich stimmig ist, fällt vieles leichter. Wenn er nicht passt, steigt die Erschöpfung schneller. Unterstützung bei der Orientierung findest du im Artikel
Wechsel des Pflegebereichs: Spital, Spitex oder Pflegeheim?

2. Eigene Grenzen früh erkennen und ernst nehmen

Manchmal braucht es Mut, auszusprechen, was gerade zu viel ist. Grenzen zu setzen bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein, sondern bewusst mit deiner Kraft umzugehen. Es kann heissen, Aufgaben abzugeben, Nein zu sagen, Pausen einzufordern oder klar anzusprechen, was für dich machbar ist. Je früher du deine Grenzen kommunizierst, desto eher lässt sich Belastung auffangen, bevor sie zu gross wird.

Ein frühzeitiges offenes Gespräch mit der Teamleitung oder Kolleginnen kann entlasten, Missverständnisse klären und neue Lösungen sichtbar machen. Manchmal zeigt sich in solchen Gesprächen auch, dass ein Wechsel in einen anderen Bereich oder eine andere Institution gut tun würde. Genaueres dazu findest du im ArtikelStellenwechsel in der Pflege: Wann es Zeit für eine neue Stelle ist“.

3. Erholung bewusst gestalten

Erholung entsteht nicht automatisch. Sie braucht Raum und Regelmässigkeit, besonders in einem Beruf wie der Pflege. Hilfreich können sein:

• echte Pausen statt „schnell etwas zwischendurch“
• kleine Rituale nach dem Dienst, um abzuschalten
• klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit
• genügend Schlaf und Ruhezeiten zwischen Diensten

Diese bewussten Erholungsmomente helfen deinem Körper und deinem Nervensystem, Belastungen besser auszugleichen. Tipss hierzu findest du auch in unserem Artikel: " Work-Life-Balance in der Pflege: Warum sie wichtiger ist denn je".

4. Ein Team wählen, das dich stärkt

Ein gutes Team ist einer der stärksten Schutzfaktoren gegen Burnout. Wertschätzung, offene Kommunikation und gegenseitige Unterstützung machen einen enormen Unterschied. Wenn du dich sicher und getragen fühlst, bleibst du auch in anspruchsvollen Phasen stabiler.

Wie du Arbeitgeber findest, die dich unterstützen und die wirklich zu dir passen, erfährst du im ArtikelPflegefachpersonen gesucht: So findest du den passenden Arbeitgebernoch mehr.

Wie Nurse dich unterstützen kann

Viele Pflegefachpersonen bleibt kaum Zeit, sich intensiv mit Arbeitgebern, Teams und Arbeitsbedingungen auseinanderzusetzen. Genau hier hilft Nurse:

• wir erstellen dein Dossier gemeinsam mit dir
• wir beraten dich zu passenden Bereichen und Teams
• wir helfen dir, Arbeitgeber zu finden, die gute Rahmenbedingungen bieten
• du kannst mehrere Häuser unverbindlich kennenlernen
• du triffst deine Entscheidung mit mehr Klarheit und weniger Druck

Burnout entsteht oft dort, wo Menschen zu lange zu viel tragen. Ein passender Arbeitsplatz kann ein entscheidender Schritt zurück zu mehr Stabilität sein.

Fazit

Burnout in der Pflege ist keine persönliche Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass du lange durchgehalten hast, vielleicht zu lange. Du verdienst einen Arbeitsplatz, der dich stärkt, dich schützt und an dem du nicht nur funktionierst, sondern dich als Mensch gesehen fühlst.

Ein erfülltes Berufsleben in der Pflege ist möglich und du musst diesen Weg nicht allein gehen!

👉 Melde dich bei Nurse an und finde den Arbeitsplatz, der wirklich zu dir passt.

Starte deine Karriere

Pflegerin mit glücklicher älterer Frau

Das könnte dich auch interessieren

Anmelden und Angebote erhalten, die zu deinen Bedürfnissen passen

Fragen? Wir sind gerne für dich da – auch per Whatsapp!